Der Hof der Wunder

      Der Hof der Wunder

      Ein herzliches Dankeschön für das Copo!!!


      Zeit :15. 08:00
      Ort:
      Skiras Büro


      Skira runzelte die Stirn, als sie lass das Hean den Auftrag des COs immer noch nicht ausgeführt hatte. Sie versuchte es zu verstehen, begriff aber nur am Rande was ihn hatte zögern lassen. Sie selbst war der Meinung, er hatte vollkommen recht damit, Valerie Williams in den Arrest zu sperren. Schließlich hatte sie sich unerlaubt,dazu noch in einer schwiegen Situation von ihrem Posten entfernt. Etwas das für eine pflichtbewusste Frau, wie Skira es
      war , einfach ein unprofessionelles Verhalten war.

      Deswegen hatte sie beschlossen Hean etwas unter die Arme zu greifen und sich auf die Jagd nach Miss Williams zu machen. Der Sicherheitschef hatte ohnehin genügend zu tun. Wahrscheinlich war das Gefangennahmen
      von der ehemaligen EO nicht auf seiner Prioritätenliste weit vorne.

      Kurz schauderte Skira, als sie daran dachte mit was für Abschaum er sich herum schlagen musste.

      Sie war seitdem Lincoln in ihr Quartier eingedrungen war besonders vorsichtig. Sich in die unteren Bereich der Station zu begeben, könnte auch aus diesem Grund nicht einfach werden. Doch jemand wie Skira liebte das Risiko, sofern sie nicht blindlings hinein lief und das hatte sie nicht vor. Die TAK hatte sich schon sehr genau einen Schlachtplan überlegt, den sie nun ausführen wollte.

      Sie wollte das ganze am Liebsten alleine angehen, zwei Menschen die dort unten versuchen Fragen zu stellen, würden vermutlich Aufsehen erregen. Dennoch sicherte sie sich ab, sollte ihr etwas zustoßen müsste jemand informert sein. Skira verschlüsselte eine Nachtricht, die in vierundzwanzig Stunden an Hean geschickt wurde, sollte sie bis dahin nicht wieder zurück sein und die Aktiverung unterbrechen.

      Doch Skira rechnete fest damit, dass sie bis dahin Valerie gefunden hatte.

      Zuerst einmal war es wichtig den letzten tatsächlichen Aufenthalt der Halbvulkanierin zu ermitteln. Sie war vor zwei Tagen das letzte Mal von Mister Stone gesichtet wurden und seitdem untergetaucht.

      Skira allerdings wusste das Williams nicht über ein solches Wissen über die untere Ebene verfügte wie sie oder Hean. Dazu hatte sie einfach zu wenig dort unten aufgehalten.



      Zeit:15.
      9:00
      Ort:Schwrzmarkt
      Ball:

      Valerie Williams ahnte noch nichts davon, dass sich die Tak dazu entschlossen hatte nach ihr zu suchen. Skira bemühte sich darum ähnlich wie die meisten anderen hier von einer dunklen Ecke in die nächste zu huschen. Hier und dort sah sie Wesen mit illegalen Waren handeln, ab und an zog einer davon eine Waffe um den Preis zudrücken. Was
      den wenigstens gelang, hatte ihr Opfer längst seine eigene gezogen.

      Wahrlich kein Ort ,den man sich zum Ferien machen aussuchen würde. Es war wohl wirklich einmal an der Zeit das ganze Nest auszuheben. Doch dazu müsste man den Oberboss vernichten. Skira konnte es kaum erwarten Lincoln eines Tages...

      Nein, diese Gedanken lenkten sie bloss ab, von dem was sie hier wollte.

      Skira hatte sich in passende Kleidung gehüllt um sich dem Modestiel der Bewohner anzupassen. Dennoch spürte sie, dass ihr hinterm Rücken Blicke folgten. Sie müsste also wirklich sehr vorsichtig sein. Kurz fragte sich die TAK wie es jemand wie Valerie Williams gelungen sein konnte hier zu überleben. Die Halbvulkanierin erschien ihr nicht als jemand der die geborene Untergrundbewohnerin war.

      Vielleicht aber...war sie es auch nicht und lag längst Tod in einem Luftschacht. Aber auch das würde Skira herausbekommen.

      Als sie endlich den Punkt erreicht hatte an dem sie ihren Informanten treffen sollte.

      "Was haben Sie herausgefunden?", fragte sie den Mann ohne lange Umschweife. Die Menschen die hier unten lebten, verspürten nur äußerst selten das Bedürfnis nach einer längeren Konversation. Schon gar nicht mit der Tak der Station, wenn sie hier herumschlich.

      "Nichts. Es wurde hier keine Frau mit dem Namen Williams gesehen, oder auch nur eine Frau, auf die Ihre Beschreibung passen würde.", gab er eine zutiefst enttäuschende Antwort.

      Gut, das mochte in der heutigen Zeit nicht unbedingt viel heißen. Man konnte innerhalb weniger Stunden sowohl seinen Namen, als auch sein Aussehen komplett ändern lassen, wenn man es darauf anlegte.
      Dennoch, das würde nicht zu Valerie Williams passen. Sie würde ihr Aussehen nicht ändern. Sie würde viel eher ihre Intelligenz nutzen, um spurlos zu verschwinden.

      Wortlos wandte sich die Tak um und wollte in der Menschenmenge verschwinden.
      "Was ist mit unserem Deal?", rief der junge Mann ihr nach. Ohne brauchbare Ergebnisse, hatte auch die Tak keinen Grund ihn zu bezahlen.

      "Ich halte mich an mein Wort.", kam die Antwort, ohne dass sich Skira umdrehte.
      Natürlich war der junge Kerl nicht unbedingt der beste Informant den man sich wünschen konnte, aber zumindest war er vertrauenswürdig. Er hatte ihr zwischendurch immer wieder Informationen zukommen lassen und würde es auch weiterhin tun.

      Im Moment jeodch ahtte die Tak andere Dinge, um die sie sich kümmern musste. Wie sollte sie Valerie hier unten finden, wenn niemand sie gesehen hatte?

      Skira war durchaus in der Lage jemanden zu verfolgen. Sie konnte jemanden ausfindig machen, seine Fährte verfolgen und ihn schließlich stellen. Aber dafür benötigte sie zumindest einen kleinen Anhaltspunkt, etwas womit sie beginnen konnte.

      Hier unten jedoch war das ein Ding der Unmöglichkeit. Gerüche, Lärm und das ständige Gefühl einen Späher von Lincoln im Nacken sitzen zu haben, machten es ihr nicht gerade leicht ihre Sinne und Gedanken zu fokussieren.

      Sie musste sich etwas anderes überlegen. Etwas effizienteres.

      Skira sah sich unauffällig um und überlegte. Wer hier unten hatte alles im Blick und wusste was vor sich ging? Jemand der nicht darauf aus war, sie entweder in sein Bett zu bekommen oder zu töten. Oder beides...

      Worauf war selbst der schlimmste Verbrecher angewiesen?

      //Ein Wasserloch...Tiere brauchen Wasser und Verbrecher auch//, dachte sie und beschloss nach jemanden zu suchen, der hier unten solche Ware anbot.

      Und ganz plötzlich hatte sie einen Einfall. Einen solchen zu dem man gerne Blitzgedanken sagte. Hier unten waren Replikatoren wenig vorhanden, da sich die wenigsten Techniker hier unten hinwagten. Deswegen waren die meisten kaum noch zu gebrauchen oder hatten ein eingesträngtes Angebot. Skira hatte vor einiger Zeit mit Hean darüber gesprochen, dass er vermutete das es irgendwo hier unten einen Ort gab, der für alle neutral war, um sich mit den nötigsten zu versorgen. Sei es Nahrung oder Informationen.Ähnlich wie der Hof der Wunder im späten 16. Jahrhundert der Erde. Eine Art Ehren Kodex verbot es selbst den schlimmsten Feind anzugreifen, solange man sich dort zusammen aufhielt.

      Aller wahrscheinlichkeit nicht ständig am gleichen Ort und immer in Bewegung. Aber Hean war fest davon überzeugt gewesen das es einen solchen gab.

      Williams war zur Hälfte Mensch und kam weniger lange ohne Flüssigkeiten aus, als ihre Artgenossen. Sie würde sicher ihren Verstand genützt haben einen solchen Ort ausfindig zu machen, der ihr genügend Wasser und gegeben falls Nahrung bot, wenn auch nicht ständig. Eine solche Person würde sich nur ungern zu Diebstählen oder gar Mord hinreissen lassen, außer ihr blieb keine andere Wahl.

      Skira musste diesen Platz also finden und vielleicht hielt sich auch die Gesuchte dort auf. Frage blieb aber, wo sie jemand finden sollte der es ihr verriet.

      Sie hoffte auf einen weiteren Blitzeinfall, doch er blieb vorerst aus.

      Gestalten huschten weiter von einer düsteren Ecke in die nächste.Als ihr ihr Informant einfiel von vorhin. Er gehörte hier zu und mit größer Sicherheit wusste er etwas darüber, wenn es diesen Ort wirklich gab.

      Also würde Skira ihn erneut aufsuchen müssen.

      ------------

      "Das kann ich nicht sagen! Sie würden mich töten, wenn ich es jemandem von der Sternenflotte verrate!", rief der junge Mann, als er sich wieder aufrappelte.

      Entnervt trat die Tak wieder einen Schritt auf ihn zu, was ihn zusammenzucken ließ. Sie war zwar gute zehn Zentimeter kleiner als er, aber trotzdem hatte sie ihn ohne Probleme quer durch den Raum befördert.

      "Der Deal war, dass ich hier unbehelligt leben kann und nun sind sie in meinem Haus! Wenn die Nachbaren das Lincoln erzählen, ist meine Familie so gut wie tot!", kreischte er beinahe panisch. Ihm war bewusst, dass der Drahtzieher aller dunkler Machenschaften hier unten vermutlich schon lange informiert war über den Besuch der Leiterin der taktischen Station.

      "Du warst mir bisher ohnehin nicht von besonders großem Nutzen Skaldik. Ich habe dich und deine Brut mit allem versorgt, was ihr gebraucht habt, um hier unten ein angenehmes Leben zu führen. Und was hast du mir gegeben? Halbwahre Informationen, nichts weiter! Und nun, da ich dich konkret nach etwas frage, weigerst du dich auch noch mir diese Information zu geben!", zischte sie ihn an und ignorierte die verängstigte Frau die in der Ecke versuchte ihre Tochter schützend in den Armen zu halten.

      "Sie sind keinen Deut besser als dieses Arschloch von Lincoln! Aber Lincoln zeigt zumindest offen was für ein Mensch er ist! Sie aber tun so, als ob ihnen etwas an den Leuten liegt, versprechen ihnen Schutz, ehe sie sie verraten und wegwerfen wie ein beschissenes Paar alter Schuhe!", schrie der Mann angewiedert.

      Es war Skira egal, was dieser Kerl ihr an den Kopf warf. Er war wie ein verängstigter Hund und bellte voller Verzweiflung. Wobei ein Hund vermutlich noch die Courage gefunden hätte sie zu beißen.
      Dennoch hatte sie nicht vor Skaldik und seine Familie Lincoln zu überlassen.

      "Ich kann euch weiterhin beschützen, aber ich will wissen, wo dieser Ort ist. Ihr könnt die Station verlassen und ein neues Leben beginnen.", sprach sie daher ruhiger, um den panischen Mann zu beruhigen.

      "Niemand kann uns vor Lincoln beschützen. Egal, ob wir auf der Station sind oder nicht.", kam es resigniert zurück.
      "Ich kann es. Aber du solltest endlich anfangen zu reden, ansonsten sinkt meine Motivation euch zu helfen extrem rasch gegen null.", versprach sie ihm absolut überzeugt.


      ------

      Zwanzig Minuten später stand die Tak vor einem unscheinbaren Loch in einer Wand. Nur wenn man sich konzentrierte, konnte man dahinter Stimmen hören. Leises Getuschel drang an die Ohren der Tak, als sie davor stand und die Dunkelheit dahinter beobachtete.

      Solche Orte waren gefährlich, denn auch wenn dort ein Kodex herrschte, dass man niemanden töten durfte, so galt dies doch nur bis zum Eingang. Einen Zentimeter weiter konnte die Sache mit dem Messer im Rücken durchaus wieder aktuell werden.

      Dort war vermutlich Williams....

      Zeit:15. 9:50
      Ort:

      Skira gutes Gespür hatte sie Punkt genau in die richtige Richtung gelangt. Sie versuchte erstgar nicht zu verstehen, warum ihr Informant solche Angst vor Lincoln hatte. Für sie jedenfalls erschien er nicht ganz so gefährlich, schließlich hatte sie ihn schon zweimal erleben müssen und jedes mal überlebt. Ein Mann der um seine Sicherheit fürchtete hätte ihr wahres Ich erkannt und längst versucht umzubringen, nicht aber Daniel.

      Natürlich war sie vorsichtig, doch Angst, nein das hatte sie nicht vor ihm.Und schon gar keine Ehrfurcht, als wäre er ein antiker Rachegott oder so etwas. Lincoln blieb in ihren Augen ein großspuriger Nichtskönner, der außer zu drohen wenig mehr konnte.

      Skira klopfte mit der geschlossen Faust das heutige Passwort. Man dürfte sich keinen Fehler erlauben, sonst wurde man für heute nicht eingelassen. Wie die Leute hier unten an die Codes kämen, dass hatte ihr ihr Informant nicht verraten. Doch Skira hatte auch nicht vor, noch einmal ganz alleine diesen Ort aufzusuchen. Das nächste Mal würde sie ihre Leute mitbringen und einige Verbrecher auffliegen lassen.

      Endlich glitt etwas Dunkel auf, vielleicht ein Felsvorsprung? Skira konnte es nicht richtig erkennen, so dunkel war der Gang hinter ihr. Ganz plötzlich war das Licht hier völlig verschwunden.

      Ebenso wie vor ihr.

      //Netter Effekt//


      Dennoch spürte sie, wie jemand sie an ihrer Schulter griff. Sofort war Skira versucht sie zurück zustoßen. Ein Reflex gegen den sie nichts tun konnte. Anscheint störte das die Person vor ihr wenig und Skira spürte wie sie mit einem Ruck einfach fester gegriffen wurde. Dieser jemand zerrte sie hinter sich her. Skira musste alle ihre Kraft aufwenden sich nicht dagegen zu wehren.

      Schließlich spürte sie nach etwa weiteren zehn Minuten wie sie losgelassen wurde. Augenblicklich gleißte Licht auf und Skira Augen brauchten einen Moment lang sich an das Licht zu gewöhnen. Sie starrte nun ins Licht. Schemenhaft war dahinter ein Schatten zu erkennen. War es die Person von vorhin? Oder jemand anders? Eines war auf jeden Fall klar, die Verbrecher die hier waren, wollten auf Nummer sicher machen.

      „Passwort“

      Skira nannte es sofort. Auch das hatte ihr ihr Informant gesagt.

      „bltuHlaHbe'chugh blquvlaHbe'.
“*

      „Du kannst passieren“, brummte es ihr entgegen und das Licht erlosch wieder. Erneut ergriff jemand sie an der Schulter und Skira spürte unsanfte Stöße in ihrem Rücken. Sie stolperte vorwärts.


      <NRPG>*Nur wer die Schande kennt, kennt auch die Ehre.

      Skira müsste ihre Erleichterung verbergen durch die Kontrollen gekommen zu sein, jetzt erschien ihr der Rest wie ein Klacks, einziges was schwierig zu werden war der Rückweg. Wer wüsste schon ob Williams nicht beschlossen hatte ganz die Seiten zu wechseln? Skira hielt plötzlich alles für möglich, darüber hatte sie vorher gar nicht nach gedacht.
      Was wenn Williams sie verraten würde?

      „Willkommen“, begrüsste sie eine erstaunlich freundliche Stimme. Kurz darauf erschien eine alte Frau. Sie ging an etwas was Skira seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, einem alten Krückstock, auf den sie stützte. Ihr Rücken war krumm und man konnte der Frau dadurch nicht in die Augen sehen.

      „Waffen?“, fragte sie. Scheinbar legte man keinen Wert auf viele Worte.
      „Ich bin unbewaffnet hergekommen“

      „Hecktor“, rief die Alte und kurz darauf erschien ein rissiger Klotz von Mann.
      „Du wünscht?“, verstand Skira, doch der Koloss sprach so undeutlich, dass er auch nach einem Kaffe hätte fragen können.
      „Durchsuchen“

      Skira musste erneut ihre ganze Konzentration aufbringen um dies zuzulassen.

      Hacktor war dazu erstaunlich flink und leider auch sehr findig. Das kleine Messer, dass sie sich zu Vorsicht mitgenommen hatte, fand er schneller als erwartet.

      „Das bekommst du wieder, wenn du uns verlässt“, erklärte die Alte und nahm das Messer an sich. „Hübsche Waffe“, lobte sie und hinkte davon. Hecktor folgte ihr.

      Skira blieb alleine und wartete darauf, was nun passieren würde. Doch niemand schien sie weiter führen zu wollen. Also ging sie vorsichtig weiter. Kurz darauf erreichte sie einen großen Kreisrunden Raum.

      Und die sonst so hart gesottene Frau staunte nicht schlecht.

      Sodom und Gomorrha waren ein schlechter Witz gegen das hier. In einer Ecke wanden sich Körper durcheinander und Skira wollte gar nicht wissen wie viele es genau waren.
      Nur wenige Meter weiter wurde gerade eben eine junge Frau samt ihrem Kind an einen fetten alten Gauner verkauft. Offenbar war die Frau gute Ware, denn der alte Sack musste tief in die Tasche greifen.

      Den Blick den er dabei die ganze Zeit auf die beiden gerichtet hatte, brachte die Tak beinahe zum Würgen.

      Sie hatte schon viel gesehen, hatte bereits mehr als genug Zeit mit Kriminellen verbracht, aber das hier war...wiederwärtig.

      Sie hatte sich einen Markt vorgestellt auf dem Ware und Informationen getauscht oder verkauft wurden, aber bei leibe keinen Umschlagplatz für Menschen, Lust und Leidenschaft.

      Angewiedert ging sie einfach weiter und musste den anhaltenden Brechreiz unterdrücken, der sich ihrer bemächtigt hatte. Der Gestank nach Verlangen, Gier und Sex war hier einfach allgegenwärtig.

      Sie fühlte die begierigen Blicke ihrer Umgebung auf sich, wie sie sie beobachteten, ihr folgten und welch dunkle Gedanken sich dabei in ihre degenerierten Gehirne schlichen.
      Sollte es auch nur eine dieser Morcheln wagen sie zu berühren, dann wäre das vermutlich das Letze das derjenige jemals getan hätte.

      ...Aber Williams war hier unten. Was trieb einen Menschen bloß dazu sich mit diesem Bodensatz der Gesellschaft abzugeben?
      Was trieb jemanden dazu, sich in so ein Millieu zu begeben, ständig in der Angst leben zu müssen, dass man am nächsten Tag nicht mehr aufwachte, oder sogar noch schlimmer, am nächsten Tag an einen fetten, alten, stingenden, geifernden und lüsternen Mann verkauft zu werden.

      Ziellos streifte sie zwischen den Leuten umher, fing dort einen Gesprächsfetzen auf, hier ein paar Informationen, aber nichst Brauchbares. Kein Hinweis auf eine "Neue", oder eine Halbvulkanierin.


      <hepp. So ein kleiner Informant wäre jetzt nicht schlecht>

      Und doch sagte Skira´s Instinkt, dass sie hier sein musste. Warum wusste sie selbst nicht genau zu bestimmen. Die TAK versuchte zu verbergen, wie angewidert sie über all das Elend war, dass sich ihren Augen darbot. Doch es fiel ihr schwer. Eine Schar kleiner Kinder, schmutzig und verwahrlos drängten sich verschüchtert an einen „Stand“ Ein Verwittertes Preisschild bot sie an. Mit roter Schrift war an den Rändern „Sonderangebote“ geschrieben wurden. Sie stammten von unterschiedlichen Planeten und Systemen. Allen war die Angst ins Gesicht geschrieben.

      Skira ging schnell an ihnen vorbei. Traurige Kinderaugen schienen sie verfolgen zu wollen und sicher würde sie davon Wochen lang in ihren Träumen verfolgt werden. Insgeheim schwor sich die TAK, den Kleinen zu helfen, indem sie dieses Nest beim nächsten Besuch aushob. Sie hoffte, dass sich bis dahin noch kein Käufer gefunden hatten. Nicht umsonst wurden sie so günstig angeboten. Vielleicht waren die Kinder krank oder so etwas. Jetzt konnte sie nichts für sie tun, dass hätte nur Verdacht gegeben. Skira musste ans Ganze denken und nicht nur an ein paar wenige.So schmerzlich es auch sein mochte. Ihr entging die Ironie an ihren Gedanken. Ohne es zu merken, hatte sie nach einem Leitsatz der vulkanischen Kultur gehandelt.


      Als der fette Typ von eben, an den Stand vorbei kam. Speichel tropfte auf sein Seidenhemd, als er ein kleines Mädchen erblickte. Verängstigt drängte es sich an einen Knaben, der vielleicht ihr Bruder war. Skira ging schnell weiter, sie konnte nicht zusehen, was mit ihr geschah. Allerdings das immer stärkere Wimmern konnte Skira nur mit Mühe überhören.

      Augenblicklich drehte sie sich um und ging zurück.

      Der Fette stand noch immer da, fächerte sich mit einem Seidenfächer Luft zu. An seinen Fingern waren etliche Ringe mit wertvollen Opalen oder anderen Edelsteinen zu bewundern. Sicherlich nicht ganz legal, Skira erkannte auf dem ersten Blick zwei von Planeten, wo es verboten war, damit zu handeln oder sie außerhalb zu verkaufen. Etwa aus religiösen Gründen. Das er welche davon besass sprach für einen ziemlichen Reichtum und absolute Skrupellosigkeit.

      Der Händler, ein kleiner untersetzter Kerl stürzte schier aus dem, was man mit guten Willen als Hütte bezeichnen konnte. Schon begann er damit den fetten Fisch zu ködern.Sein Kunde zeigte auf das kleine Mädchen, dass sich immer fester an ihren Bruder krallte.

      „Wie viel?“, fragte er und noch mehr Speichel tropfte aus seinem Mund, als er begann zu sprechen.

      „30 Streifen“,erklärte der Verkäufer selbstbewusst. Natürlich wusste er, dass er dies nie bekommen würde, aber handeln gehörte hier dazu, wie das Atmen.

      „25 und den Jungen dazu“, begann der Fette mitzuspielen.

      Skira trat näher heran und wollte, irgendetwas tun, um die beiden vor dem Schicksal zu bewahren, dass sie voraus ahnte. Sie öffnete gerade ihren Mund, oum vielleicht ein besseres Angebot zu machen, als sie angesprochen wurde.

      „Neu hier?

      Eine tiefe erstaunlich freundliche Stimme. Fast schon zu sehr. Die TAK drehte sich blitzschnell um und das erste was sie sah war, wie etwas aufglimmte. Augenblicklich dachte sie an Daniel.

      Es war die Spitze einer Zigarre, die nur noch ein winziger Stummel war. Erst dann wurde sie dem Fremden wirklich gewahr, der sie angesprochen hatte. Ein Mann stand hinter hier, es war nicht zu übersehen, dass sein Erbgut aus dem verschiedener Spezies bestand. Seine Stirn wies winzige Riffel auf, obwohl die Ohren unübersehbar vulkanische Spitzen aufwies, wenn auch nicht ganz so spitz. „Ich habe dich hier noch nie zuvor gesehen“, setzte er hinzu und sah Skira aus neugierigen blauen Augen an. Eine die unübersehbar versuchte abzuschätzen, wie viel sie wohl wert sein könnte. Und ob sie leicht zu überumpeln wäre.

      Seine Kleidung bestand aus einem roten Seidenhemd, weißer Anzugsjacke und Hose. Er selbst ging ihr fast nur zur Hüfte. Seine Haare waren rabenschwarz und verfilzt. Was ein kompletter Gegensatz zu seiner Kleidung war. Das Gesicht wies einen Dreitage Bart auf und die Augen sahen sich ständig unruhig um. Seine Schuhe waren alt und zerschlissen. Wenn sie auch einmal edel gewesen sein mochten.

      „Ich hatte woanders zu tun“, gab sie ihm rau zur Antwort und hoffte, damit zu zeigen, dass sie kein Hilfloses Frauchen war. Scheinbar gut genug, der Typ wich einige Schritte von ihr fort. „Du gefällst mir“, meinte er und entblößte eine Reihe schneeweißer Zähne. Erneut ein Gegensatz.
      „Man nennt mich Bindlestiff“,gab er ungefragt Auskunft. „Und dich meine Schöne?“
      Skiras Hirn arbeitete blitzschnell daran sich einen passenden Namen zu geben. Eines aber war ihr gewiss, dieser abgerissen Type würde sie zu Williams führen. Sie wusste nicht warum, aber das sagte ihr eine leise Stimme im Kopf.

      "Ich trage an jedem Ort einen anderen Namen, doch du kannst mich Lilith nennen.", antwortete sie wie aus der Pistole geschossen.
      Der kleine abgerissene Kauz zog die Augenbruae nach oben und murmelte ein leises "Aha..." vor sich hin, ehe er sich wieder auf Skira konzentrierte.

      "Was sucht so eine junge, hübsche und gesunde Frau wie du hier unten? Ich kann dir alles besorgen was du willst, du musst es nur sagen meine Hübsche.", kam es triefend nett über die spröden Lippen des Mannes.

      "Ich suche etwas ganz Besonderes. Eine junge Frau, sieht vulkanisch aus.", sprach Skira das Thema endlich an. Hinter sich hörte sie die Kinder schreien, als der Fettsack nach ihnen griff.
      Gequält schloss die Tak die Augen und versuchte zu ignorieren, was hinter ihr vorging. Sie war nicht deswegen gekommen.
      Das geschah hier unten jeden Tag und bald schon würde sie diesen ganzen Laden hier ohnehin aufräumen. Dann könnte sie die Kinder befreien.

      'Und was passiert mit ihnen bis dahin?', zischelte eine Stimme in ihrem Kopf.
      Eine durchaus berechtigte Frage. Was würde mit den beiden bis dahin geschehen? Vermutlich nichts Gutes.

      "Verdammte Scheisse. Nicht jetzt.", fluchte sie vor sich hin, was ihr eine weitere gehobene Augenbraue des Zwerges einbrachte.

      "Du suchst also eine junge Vulkanierin. Schwer zu beschaffen, ziemlich schwer zu halten und noch schwerer ist der Wille zu brechen. Wofür genau brauchst du sie denn?", sprach er schließlich doch weiter und ließ dabei keinen Zweifel, wofür er eine hübsche junge Vulkanierin benutzen würde, strich er sich doch die ganze Zeit über mit der Zunge über die Lippen.

      Wieder schrien die Kinder, der Fettsack grunzte lüstern, als er sie vor sich hertrieb und sie mit einem Blick ansah, der an ein Raubtier erinnerte.

      Skiras Nerven waren bis zum Zerreissen gespannt. Von überall her strömten Emotionen auf sie ein. Verlangen, Begierde, Triumph,´und über allem lag die panische Angst der Kinder.

      Sie musste sich zusammenreissen, sich nicht von dem Sog mitreissen zu lassen, der wie ein tosender Sturm über ihr zusammenschlug.

      Und genau in diesem Moment wurde der Tak klar, wie sie die Vulkanierin finden würde. Sie musste sich nur auf die Emotionen um sich herum einlassen, sich darin treiben lassen und nach der Stelle suchen, die ruhig blieb.
      Genau dort würde Williams sein, sie würde ihr den Weg weisen, ob sie wollte oder nicht.
      Auch wenn sie ihren Körper zu verstecken mochte, so konnte sie ihren logischen Geist niemals verbergen.

      Skira schloss die Augen und ließ die Emotionen um sich herum in sie eindringen.
      "Ich benötige deine Dienste nicht länger, geh nun.", wandte sie sich noch immer mit geschlossenen Augen an den Zwerg vor sich, während sie fühlte, wie sich ihre Emotionen mit denen ihrer Umgebung zu vermischen begannen.

      "Moment mal Kleine, so nicht, verstanden? Ich vergeude hier meine Zeit mit dir und du schickst mich einfach weiter, du Miststück? Ich will meine Bezahlung, sofort!", keifte der Mann nun plötzlich deutlich unfreundlicher als noch vor wenigen Sekunden und packte sein Gegenüber am Arm.

      Nur eine Sekunde später landete er in dem Händlerstand in dem die Kinder angeboten wurden und eine dunkle Silouette beugte sich über ihn.

      "Ich sagte, dass ich deine Dienste nicht benötige du Punk.", zischte die zierliche Frau und wandte sich mit einem Knurren dem Fettsack zu, der noch gar nicht mitbekommen hatte, was hinter ihm geschah.

      Gerade bog er mit den beiden verängstigten Kindern um eine Ecke und verschwand aus Skiras Blickfeld. Zu seinem Pech bedeutete das in idesem Moment aber nur, dass der Jagdtrieb der Tak geweckt wurde und sie ihm lautlos folgte.


      ---------------

      Goldjelly, wie er von seinen wenigen Freunden genannt wurde, betrachtete seinen heutigen Glückgriff eingehend, als er sich sicher war, dass er weit genug von der belebten Hauptstrasse entfernt war, damit ihm niemand mehr die Kinder streitig machen würde.

      Sein Spitzname kam nicht von ungefähr, war er doch stets ein wenig fülliger gewesen und hatte es durch eine glückliche Erbschaft zu Reichtum gebracht. Seitdem genoss er das Leben in vollen Zügen und schwelgte so oft es ging im Luxus.
      Dass er alleine durch sein abstoßendes Äusseres wenig Erfolg bei Frauen hatte, hatte ihn nie gestört. Er konnte sich jede Frau kaufen, die er wollte. Und wenn sie sich weigerte, dann bezahlte er einfach jemand anderen dafür ihr diese Flausen auszutreiben.

      Dennoch, Kinder hatten es ihm angetan. Zumindest die hatten Respekt vor ihm, denn auch wenn er relativ klein gewachsen war, so war er doch noch immer grösser als dieses Gewürm.

      Zufrieden und voller Vorfreude betrachtete er ganz besonders das Mädchen. Sie war elf, vielleicht zwölf Jahre alt und zitterte, als er ihr durchs verfilzte Haar strich.
      Gepflegte Ware war schwer zu bekommen in der heutigen Zeit. Im Moment herrschte kein Krieg, daher kam man nur verdammt schwer an Kinder die ihre Eltern verloren hatten. Somit hatte auch er seine Ansprüche zurückschrauben müssen.

      Ein Gefühl ließ ihn aufhorchen. Da war kein Geräusch gewesen, nur dieses Gefühl, dass er in Gefahr war, das ihn dazu veranlasst hatte.

      In einiger Entfernung zu sich sah er eine weibliche Gestalt in der Dunkelheit stehen. Regungslos sah sie in seine Richtung.

      "Hey! Was willst du? Die Kinder gehören mir, also verschwinde!", rief er ihr zu und zog die Kinder näher an sich heran. Er hatte dafür bezahlt und würde sie sich nicht einfach so abjagen lassen.

      Die Gestalt setzte sich in Bewegung. Langsam und in keinster Weise bedrohlich wirkend kam die Frau auf ihn zu.
      Ihre Körperhaltung und ihre sicheren Bewegungen verströmten das Gefühl der Selbstsicherheit.

      Oh ja, sie wusste eindeutig, wie sie sich einem Mann zu nähern hatte, damit er nur noch Augen für sie hatte. Goldjelly jedenfalls betrachtete sie mit gierigem Blick, als sie immer näher kam, den Kopf erhoben und nicht gesenkt, wie ihn die meisten Frauen hier unten trugen.

      Noch immer sagte sie kein Wort zu ihm, kam einfach langsam immer weiter auf ihn zu, bis sie nur wenige Zentimeter vor ihm stand.

      Goldjelly betrachtete sie eingehend. Sie war größer als er selbst, schlank und doch gut gebaut.
      Sie schien auch keinen Anstoß daran zu nehmen, dass er sie anstarrte, sie mit den Augen beinahe auszog und sich ihr weiter näherte.

      Das könnte heute durchaus sein Glückstag werden.

      "Wie viel willst du?", forschte er nach und griff in seine Tasche, um zu prüfen wie viel er noch bei sich trug.
      "Schick die Kinder weg.", hauchte ihm die Fremde verführerisch ins Ohr, anstatt eine Antwort zu geben.

      Ohne einen Moment zu zögern gehorchte der Fettsack und fuchtelte mit der Hand in der Luft herum, was den Kindern das Zeichen gab zu verschwinden, was diese auch augenblicklich taten.

      ---------

      Weit hatten sich die beiden Kinder nicht geagt, ehe der Junge das Mädchen in eine Niesche gezogen hatte. Sie mussten sich verstecken, wenn sie hier planlos herumliefen, würden sie bald wieder bei dem nächsten Händler landen.

      Atemlos ließ er sich nach unten sinken und zog seine kleine Schwester in seine Arme, die noch immer zitterte.
      Er wusste noch immer nicht, was gerade geschehen war. Diese Frau, das war doch die Gleiche gewesen, wie die auf dem Markt, die sie mit aufrichtigen Augen voller Trauer angesehen hatte.
      Nein, das konnte nicht die selbe Frau gewesen sein. Die Frau auf dem Markt wirkte freundlcih, die Frau in der Gasse wie eine von den Schlechten Leuten hier unten.

      Dennoch, sie waren wieder frei, das war das Wichtigste im Moment. Seine Schwester noch immer fest an sich gedrückt haltend, wagte er einen kurzen Blick um die Ecke der Niesche, um zu sehen, ob ihnen jemand nachkam.

      Und da sah er sie. Die Frau von vorhin, als sie auf das Versteck zukam in das sie sich gezwängt hatten. Ein paar Strähnen hatten sich aus ihrer Frisur gelöst und hingen ihr wild um das Gesicht.
      Mit pochendem Herz zog sich der Junge wieder zurück und veruchte sich im Schatten zu verstecken.

      Er konnte ihre Schritte auf dem Boden hören, als sie sich ihnen näherte und sich neben ihrer Niesche ebenfalls zu Boden sinken ließ.

      "Kommt raus, ich werde euch in Sicherheit bringen.", drang ihre Stimme an sein Ohr und er konnte darin nichts Böses entdecken.

      "Warum sollten wir Ihnen vertrauen?", fragte er nach, ohne nach ihrer Hand zu greifen, die sie ihm hinstreckte, während sie noch immer auf dem Boden saß.

      "Weil ich die Wahrheit sage.", kam die Antwort, als die Frau ihm die Rangabzeichen eines Sternenflottenoffiziers zeigte.
      "Und weil ich die Tak und die CSO der Station hier bin mein Junge.", setzte sie noch nach und hielt weiterhin ihre Hand hin, damit er danach greifen konnte.

      "Keine Sternenflottenoffizierin kann sich so bewegen wie sie es tun. Sternenflottenoffizierinnen können keinen Mann dazu bringen wie ein Geisteskranken zu sabbern.", kam es wiederspenstig aus der Niesche heruas.
      Skira konnte sich das Grinsen nicht verkneifen.

      Es stimmte ja auch irgendwie. Ofizierinnen der Sternenflotte schienen androgyn zu werden, sobald sie ihre erste Uniform bekamen.

      "Junge, auch in der Sternenflotte gibt es Frauen die ihren Körper einzusetzen wissen, auch wenn du es nicht glaubst.", antwortete sie amysiert.

      Endlich griff er nach ihrer Hand, wenn auch zögerlich. Vorsichtig zog Skira ihn sammt seiner Schwester aus der Niesche heraus.

      "Ensign Skira Kishonian. Tak und Cso der Cailleach. Und ihr beiden?", stellte sich Skira offiziell vor und genoss die Gefühle des Jungen, die sich durch den direkten Hautkontakt nochintensiver auf sie übertrugen. Er hatte Vertrauen geschöpft und strahlte Hoffnung aus.

      "Malek und das hier ist Sal. Und sie bringen uns hier raus?", antwortete der Bursche höflich. Seine Schwester schwieg weiterhin und starrte Skira eindringlich an.
      Ihre Augen schienen tief in die Seele der Tak zu blicken, was dieser nur unangenehme Schauer über den Rücken jagte.

      "Versprochen, aber zuerst muss ich noch jemanden hier unten finden. Malek, du musst nun meine Hand loslassen, damit ich mich konzentrieren kann, verstanden? Bleibt immer dicht bei mir und macht genau das, was ich euch sage, egal was auch immer es ist, okay?", versicherte Skira sich nochmals, ehe sie die warme Hand des Jungen wiederwillig aus der ihren gleiten ließ.

      Mit der Wärme seiner Hand verschwanden auch seine Gefühle aus ihr und ließen sie in dem Molloch dieser Gegend versinken.

      Unwillkürlich wollte Skira die Hand wieder ergreifen, doch sie wusste, dass das im Moment nicht hilfreich war. Sie musste diese vermaledeite Vulkanierin endlich finden.

      Wenn sie noch sehr viel länger hier unten blieb, würde sie vermutlich entweder als mentales Frack zusammenbrechen, oder aber eine Spur der Verwüstung durch diesn Platz ziehen, bis sie jemand aufhielt.

      Zeit: MD15.09:20
      Ort: Schwarzmarkt
      Ball:


      Valerie Williams selbst war tatsächlich nicht weit fort, von Skira und den Aufenthalt der Kinder. Sie war auf der Suche nach einem Informanten, wenn auch aus anderen Gründen und für etwas Nahrung für die nächsten Tage. Dinge, wie sie hier schon mehrmals erledigt hatte.


      Wirklich wohl fühlte sie sich hier nicht, dennoch war dieser Ort der sicherste, den sie derzeit zu kennen glaubte. Wenn er auch nie lange Bestand hatte und ständig umzog, damit ihn niemand Unbefugtes entdecken konnte. Leute, wie sie eins selber sich genannt hatte. Der Stolz über jede Beförderung wehte Valerie manchmal im Schlaf nach und ließ sie mit vielen Fragen mitten in der Nacht aufwachen. Einer Unterkunft wie sie früher sicher nicht freiwillig betreten hätte.


      Jetzt war Valerie froh darum sie überhaupt zu besitzen. Ihr Früheres hatte sie schlagartig räumen müssen, nachdem ein ihr vollkommen Fremder mitten in der Nacht hinein geplatzt war. Es war zum Glück, nur jemand der zu viel getrunken hatte und nicht einer der sie hätte im Schlaf ermorden wollte.


      Ab diesem Moment schlief sie selten an einem Ort zweimal aus Angst, dass ihr dort jemand auflauern könnte. Stationsungeziefer trieb sich in ihren Klamotten rum und plagte sie mit dem ständigen Drang sich zu kratzen. Schon sehr bald lief sie kaum anders rum, wie der Rest des Gewürms. Ihre Kleidung war alt und verschließen und roch sicherlich ebenso. Doch Valerie nahm es kaum noch wahr, obwohl sie früher über einen recht empfindlichen Geruchsinn verfügt hatte.


      Aber wenn man sich an solchen üblen Orten lebte, verlor sich die Scheu über Dinge wie Hygiene.


      Hier auf dem Markt konnte ihr zu mindestens keiner ein Messer in den Bauch stoßen, denn Waffen waren hier untersagt. Hielt sich jemand nicht daran, bekam er außerhalb von hier seine Lektion erteilt. Sehr oft endete sie tödlich. Selbst unter diesen Wesen gab es so etwas wie Ehre, wenn sie auch nur hier existierte. Auch Valerie trug seit einiger Zeit ein kleines Messer mit sich, auch wenn ihr klar war das sie gegen mehrere kaum eine Chance damit hatte. Sie war zwar in der Kampftechnik der Sternenflotte ausgebildet, hatte aber in den letzen Jahren ein ständiges Üben schleifen lassen. Die Halbvulkanirin hatte sich stets als Frau der Wissenschaften gesehen und nie damit gerechnet in ein solches Höllenloch zu fallen. Mittlerweile sah sie ihren Fehler ein und ärgerte sich über Naivität.


      Zu Anfang war es ihr hier schwer gefallen, all das Elend zu ertragen, das sich hier zeigte. Mittlerweile sah sie es kaum noch. Sie ging wie alle anderen durch die dicht bevölkerten Gänge und erledigte das, was sie sich vorgenommen hatte, ohne noch zusehen, was Ungeheuerliches an den einzeln Verkaufsständen geschah. Im Laufe der letzten Tage hatte sich Valeries Plan verwandelt und je länger sie sich unter den Verbrechern aufhielt, umso mehr passte sie sich ihnen an. Und ihr Vorhaben geriet immer mehr ins Hintertreffen. Sie merkte es kaum noch.


      Wie die meisten Frauen hier, hatte Valerie den Kopf gesenkt um nicht die Aufmerksamkeit von einem der vielen Menschenhändler zu erregen. Gerade als Vulkanirin war sie ein seltener Anblick hier unten. Ihre Verwandten schienen selten auf die schiefe Bahn zu geraten, ging ihr manchmal durch den Sinn.


      Den Informant den sie suchte, traf die Halbvulkanirin nicht zum ersten Mal und insgeheim wurde ihr immer ungemütlicher. Er hatte irgendetwas vor, auch wenn sie nicht wusste was. Sie konnte nur darauf hoffen, solange sie ihn einigermaßen bezahlte, dass er ihr nicht doch irgendwas tat. Unverblümt hatte er ihr mitgeteilt, womit er sonst noch zu handeln pflegte. Dieser Typ schien sich sicher darin zu sein, dass ihm niemand in der Lage sein würde etwas anzuhaften. Und über allem schwebte fast ständig ein einzelner Name. Er verbreitet Angst und Schrecken, sobald man es wagte ihn auszusprechen, duckten manche ihre Köpfe oder verschwanden so schnell es ihnen möglich war. Die ehemalige CWI hatte schon einiges über diesen Mann gehört, glaubte aber vieles davon nicht und versuchte es in die Legendenbildung abzutun. Niemand war abgrundtief böse. Manchmal, wie es ihr auch passiert war, geriet man auf die falsche Bahn, es lag eben nur an einem selbst diese wieder zu verlassen.


      Valerie versuchte nicht daran zu denken, was passieren konnte, wenn es ihr nicht gelang und verdrängte jeden weiteren Gedankengang vorerst. Ihre Konzentration dürfte nicht durch solche Dinge abgelenkt sein. Ihr Informant war gewieft und ein einziger Fehler mochte sich für sie als fatal erweisen.


      Und mit jedem Gang hierher gelang es ihr besser. Nur davor und danach meldete sich ihr Gewissen meist zurück. Nicht weit von ihr sahen ihr verängstigte Augenpaare nach und einen winzigen Moment glaubte sie, eines das von früher wieder zu erkennen. Aber das war Unsinn, niemand der sie gekannt hatte, würde sich hier freiwillig herunter begeben. Augenblicklich trat das Gesicht von Trxy vor ihr inneres Auge. Valerie vermisste ihn mehr als vermutet und ein winziger unrationeller Teil hoffe darauf, der er sie begann zu suchen. Selbst wenn er nicht wusste, dass sie wieder zurück war. Sie wollte ihm so viel erklären und sagen, was damals passiert war. Aber oft glaubte sie nie den Mut zu finden, wenn er wahrhaftig vor ihr stehen würde.


      Die Halbvulkanirin betrat nun eine kleine Seitengasse, wie immer hatte er ihr den Treffpunkt durch einen Mittelsmann zukommen lassen. Bisher war es nie der gleiche gewesen und mehr als einmal hatte sie sich gefragt, wie er dies schaffte. Jedoch Fragen danach stellten sie nicht, wusste man hier nie, was passieren könnte, sobald man den Markt wieder verließ.


      Valerie sehnte sich von Tag zu Tag mehr nach ihrem alten Leben, aber sie begann zu erahnen, dass dieses der Vergangenheit angehörte. Es gab vielleicht kein Zurück mehr für sie. Eine Erkenntnis, die sie ganz plötzlich traf. Sie holte tief Luft und zwang sich dazu ruhig zu werden. Hier half ihr eine vulkanische Mentaldisziplin. Tatsächlich verlangsamte sich ihre Atmung und die Gedanken die vor wenigen Sekunden noch so drückend waren, wurden ganz leicht.


      Sie ahnte nicht, dass genau dies es war, was Skira zu ihr führen sollte. Die konzentrierte sich noch immer und kam Valerie näher als diese auch nur ahnte.


      Endlich tauchte Bindlestiff auf, zum ersten Mal hatte er Verspätung. Er sah ausnahmsweise ziemlich beunruhig aus.


      Zeit: MD15.09:21
      Ort: Schwarzmarkt
      Ball:


      Skira setzte sich wie in Trance in Bewegung, sobald sie sich der Richtung sicher war, in die sie zu gehen hatte. Den Kindern bedeutete sie, sich weiterhin in ihre Nische zu verkriechen.


      „Ich komme so schnell wieder, wie ich kann“, versprach sie ihnen. Skepsis schlug ihr ins Gesicht, doch darum konnte sich Skira jetzt nicht kümmern. Sie dürfte keine Zeit verlieren, wenn sie Williams haben wollte.



      Zeit: MD15.09:25
      Ort: Schwarzmarkt

      Die ruhigen Gedanken, die Disziplin der Halbvulkanierin waren ihr Leuchtfeuer in der Dunkelheit der verdorbenen Gedanken.
      Wie ein Ertrinkender heftete sich Skiras Geist an diese Insel der Ruhe und kam ihr dabei immer näher.

      Valerie Williams beschlich im selben Moment ein seltsames Gefühl. Nicht, dass sie es hätte benennen können. Es war viel mehr das Gefühl, dass ihr irgendetwas auflauerte, als wäre sie in diesem Moment eine Gejagte.

      Misstrauisch beäugte sie ihr Gegenüber, diesen kleinen stinkenden Mann. Doch er schien nicht die Ursache ihres Missgefühls zu sein, viel eher schien er dieses Gefühl mit ihr zu teilen.

      Valerie wollte verschwinden, so schnell wie möglich untertauchen, doch gerade als sie diesen Gedanken zu Ende gebracht hatte, bemerkte sie das pure Entsetzen in den Augen von Bindlestiff und fuhr herum, jeden Muskel in ihrem Körper zum Angriff bereit.

      Dennoch war sie zu langsam. Noch bevor sie es begriff, befand sie sich mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden wieder und ihre Hand wurde ihr auf schmerzhafte Weise auf den Rücken gedreht.

      "Ich....ich...sie haben doch nach einer Vulkanierin gefragt...das.. das ist sie.", mischte sich Bindlestiff ungefragt wieder ein und wackelte unruhig von einem Fuss auf den anderen.
      Diesmal traf ihn nicht nur ein giftiger Blick, sondern gleich der von beiden Frauen. Anscheinend sahen alle Frauen gleich aus, wenn sie sauer waren....gruselig.

      "Verschwinde.", fauchte die Frau, von der er beschlossen hatte, dass sie ein kleines bisschen verrückt war und er beschloss dieses eine Mal auf den Rat einer Frau zu hören und entfernte sich langsam.

      Valerie leistete nur halbherzigen Wiederstand, als Skira sie auf die Beine zog. Zum einen wohl, weil sie geschwächt war, zum anderen aber auch, weil sie tief in ihrem Inneren doch froh war, dass sie endlich hier raus kam.

      "Wie haben Sie mich gefunden?", fragte sie schlapp, als die Tak sie vor sich herstieß.
      "Das geht Sie nichts an, weitergehen.", zischte die Frau hinter ihr, schien jedoch irgendwelche Atemprobleme zu haben, so abgehackt, wie sie Luft einsog.

      "War es Bindlestiff? Hat er mich verkauft?", forschte Williams weiter und blieb so schlagartig stehen, dass Skira zu spät reagierte und gegen sie lief. Skira gab ein seltsames Geräusch von sich, das Valerie nicht zuordnen konnte.
      "Mein Gott! Gehen Sie weiter! Sie stinken! Sie sind voller Ungeziefer! Gehen Sie weiter bevor ich mich noch übergeben muss!", fauchte die Tak und sprach das aus, was sie eigentlich für sich behalten wollte.
      Williams ließ ihren Magen eine olfaktorische Achterbahn fahren und alleine der Gedanke an das Ungeziefer an der Frau ließ sie erschaudern.

      Mit gesenktem Kopf schlurfte die Halbvulkanierin weiter, bemerkte gar nicht mehr, dass sich ihnen zwei kleine Kinder anschlossen.

      Wie ein Stück Vieh ließ sie sich von Skira vor sich hertreiben, bis sie den Schwarzmarkt verlassen hatten. Erst als die Tak sie wieder direkt ansprach, erwachte sie aus ihrer Abwesenheit und fokussierte sich wieder auf die Realität.

      "Hier.", nur dieses eine Wort sprach Skira, ehe sie ihr ihren langen schwarzen Umhang überwarf und die Kapuze ins Gesicht zog.

      Valerie war überrascht, aber auch auf gewisse Art und Weise dankbar. So konnte sie ihr Gesicht zumindest verbergen und den neugierigen Augen der anderen ausweichen.