[MD 9] Ein einsamer Abend

      [MD 9] Ein einsamer Abend

      Zeit: MD 9.2722
      Ort: Promenade

      Vivienne starrte auf den gut gefüllten Teller vor sich und schob weiter mit der Gabel lustlos die inzwischen kalten Nudeln hin und her. Was hatte sie eigentlich erwartet? Sie war neu an Bord, die wahrscheinlich wenigsten wussten überhaupt, dass es sie hier gab. Und wer es wusste, hatte heute sicher besseres zu tun.

      Ibis, ja, Ibis hätte daran gedacht, dessen war die Betazoidin sich sicher. Aber ihre Cousine war auf Expedition und musste sich zudem um ihre Tochter kümmern. Für einen kurzen Augenblick musste Viv lächeln, als sie an ihre Nichte dachte, doch das Hochgefühl verschwand genauso schnell, wie es gekommen war.

      Nelia erinnerte sie so sehr an Emilia, die jetzt bei ihren Großeltern auf Betazed lebte. Der Kontakt war bestenfalls sporadisch und das schmerzte die junge Counselor mehr, als sie es je zugegeben hätte. Und der heutige Tag war einer gewesen, an dem Vivienne gedacht hätte, dass zumindest ihre eigenen Eltern sie kontaktiert hätten.

      "Egal", murmelte die Betazoidin leise, schob den Teller weg und erhob sich. Sofort war ein Kellner zur Stelle, der ihren Daumenabdruck für die Bezahlung registrierte und dann mit einem missbilligendem Blick das Essen abräumte.

      Die Hände in ihrem weiten, traditionellen betazoidischen Gewand versteckt, wie es die Frauen ihres Hauses seit Jahrhunderten trugen, verließ sie das Restaurant, in dem sie sich zur Feier des Tages einen Tisch gegönnt hatte.

      Ohne sich groß umzuschauen lief sie über die Promenade und blieb nur kurz an einem Laden mit Geschenkartikeln stehen, bevor sie den nächsten Turbolift betrat und zu ihrem Quartier fuhr.

      Verloren blickte Vivienne sich um. Sie hätte nicht viele Sachen mitgebracht, gekauft auch nicht - kurz und gut, ihr Quartier sah ziemlich trostlos aus. Nicht ohne Grund arbeitete sie des öfteren Doppelschichten oder meldete sich freiwillig für Nachtschichten. Niemandem war es aufgefallen, die meisten dachten, sie tat es wegen ihrer Vergangenheit, denn die Ereignisse auf der Portsmouth hatten bereits die Runde gemacht. Auch wenn der CO gesagt hatte, dass er darauf nichts gab - andere Besatzungsmitglieder hatten eine andere Sicht der Dinge.

      Nicht erst einmal hatte sie darüber nachgedacht, um die Versetzung auf die Damokles zu bitten. Doch zum einen wusste sie nicht, was Ibis dazu sagen würde - und zum anderen gab es keinen Kontakt zur FKOM, die das ganze hätte bestätigen müssen. Nein, sie stand auf weiter Flur alleine und nichts und niemand konnte daran etwas ändern.

      Vivienne seufzte und zog sich auf dem Weg in ihr Schlafzimmer ihr Gewand über den Kopf, um es unachtsam auf den Fußboden fallen zu lassen. Während die Betazoidin unter ihre Bettdecke kroch, schwebte der knallrote Luftballon, den sie sich gekauft hatte, zur Decke, wo er lautlos hängen blieb. Der silberne Schriftzug glänzte leicht während des emporschwebens. Happy Birthday!


      Zeit: MD 9.2722
      Ort: Promenade

      Vivienne muss sich eingestehen, dass sie sich sehr deutlich als Außenseiterin sieht.
      You can't take the CNS from me...
      USS Eternity ▪ USS Raidon


      Der Klügere tritt nach!
      Slack!, trandoshanischer Krieger

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „thia“ () aus folgendem Grund: Rechtschreibung, Übersicht verbessern, Tag ergänzt

      Ein Klopfer an der Türe

      Zeit: MD 9.2724
      Ort: Viviennes Räume

      thia schrieb:

      Vivienne seufzte und zog sich auf dem Weg in ihr Schlafzimmer ihr Gewand über den Kopf, um es unachtsam auf den Fußboden fallen zu lassen. Während die Betazoidin unter ihre Bettdecke kroch, schwebte der knallrote Luftballon, den sie sich gekauft hatte, zur Decke, wo er lautlos hängen blieb. Der silberne Schriftzug glänzte leicht während des emporschwebens. Happy Birthday!


      In ihrem Kummer überhörte Vivienne fast, wie es leise klopfte. Ungewöhnlich für eine Zeit, in der das meiste mit dem Computer zumachen war. Sie hatte auch gar nicht gewusst, dass man ein Klopfen überhaupt durch eine Starfleettüre hören konnte. Erst im nächsten Augenblick, fiel es ihr wieder ein, dass es hier gar keine waren. Nein, sie stammten wie das meiste der Station auch, von den Ashani. Einem Volk, das es sich zur Aufgabe gemacht hatte, selbst im unwirklichsten Raum, Schönheit zu verbreiten. Doch wenn man lange hier arbeitete, begann man all das zu übersehen. Das hatte einen einfachen Grund, tat man es nicht, bewunderte man stundenlang, die kunstvollen Türen oder Gemälde an den Wänden.

      Damit konnte man aber eben nicht vernünftig seine Arbeit verrichten. Somit hatte Vivienne es sich angewöhnt, dass ganze wie eine Einrichtung zu behandeln, der Sternenflotte. Heute aber fiel es ihr wieder ein, eben durch dieses Klopfen.
      Das sich auch verstärkte, je länger sie zögerte.

      Die Türe zu ihrem Quartier war mit wunderschönen Ornamente bearbeitet wurden, die so grazil waren, dass man sich automatisch fragte, wie lange der Künstler dafür gebraucht haben möchte. Und warum er mit seiner Zeit nicht vielleicht etwas Besseres hätte anfangen können, als ausgerechnet seine Kunst an eine Raumstation zu verschwenden. Ihr fiel nicht zum ersten Mal ein, dass sie diese Art von Ornamenten schon an verschiedenen Plätzen gesehen hatte.

      Vivienne erhob sich endlich, fühlte dabei aber eine lähmende Müdigkeit in sich. Einen winzigen Moment spielte sie sogar mit dem Gedanken, gar nicht erst heraus zu finden, wer um Einlass bat. Doch was wenn diese Person, dann nicht aufhörte zu klopfen? Vielleicht war es sogar wichtig? Warum aber dann diese seltene Art um Einlass zu bitten? Das alles ergab bisher keinen Sinn. Den würde es erst geben können, wenn sie sich dazu entschloss nachzusehen. Ihre Neugier siegte also.

      Mit wenigen müden Schritten gelangte sie zu ihrer Türe und drückte den Knopf, damit sie sich öffnen konnte.
      Vor ihr stand ein ältere Bajoraner und eine kaum zu überichende Fahne, stieg ihr in die Nase.
      „Ja bitte?“, fragte Vivienne möglichst freundlich. Mit einigem hatte sie gerechnet, aber sicher nicht mit Wakur Tryros.
      „Happy…. Happy Birthday….“lallte er, wobei Vivienne sich nicht ganz darüber sicher war, ob er nicht doch eher versuchte zu singen. Sie meinte so etwas wie eine Melodie zu erkennen.

      Verdutzt sah sie ihn an. Woher wusste er, dass sie heute Geburtstag hatte?


      Zitat Zeit: MD 9.2724
      Ort: Viviennes Räume
      Ein unerwartetes Klopfen
      Jesus hat versprochen, es würde keine bösen Menschen mehr geben. Odin hat versprochen, alle Frostriesen zu töten. Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber ICH KANN KEINE FROSTRIESEN ENTDECKEN!!!

      Überraschungen - gewollt oder ungewollt?

      Zeit: MD 9.2730
      Ort: Viviennes Quartier

      Ein normaler Betazoide hätte vermutlich einfach mit seiner Telepathie versucht herauszufinden, ob dieser Bajoraner noch weitere Leute mit hierher gebracht hatte. Doch Viv war nicht so ganz normal, deswegen lugte sie vorsichtig durch die Tür, bevor sie zur Seite trat, um zu schauen, ob der Bajoraner vielleicht eintreten wollte.

      Thyros schwankte leicht und betrat dann das Quartier. Der an der Decke schwebende Ballon ließ ihn breit grinsen, bevor er sich, nicht weit im Quartier umdrehte und die junge Counselor anstarrte.

      "Woher wissen Sie davon?", kam es Vivienne über die Lippen, sobald sie den Erfassungsbereich des Türsensors verlassen hatte und sich die Türhälften lautlos wieder zusammengeschoben hatten.

      "Junge Dame, ich weiß alles an Bord", erwiderte Thyros weiterhin grinsend, wobei er etwas nüchterner wirkte als noch zuvor. Wie viel seiner Trunkenheit war gespielt? Viv war sich darüber nicht so ganz sicher.

      "Alles?", hakte sie kritisch nach, während sie ihr Gewand aufhob und es mehr oder weniger ordentlich über die Lehne des nächsten Sessels legte.

      "Alles!", beharrte der Bajoraner - und so langsam fragte sich Vivienne, mit wem sie es eigentlich zu tun hatte und ob ihm das Grinsen möglicherweise im Gesicht festgewachsen war. In ihrem Kopf ratterte es - denn sie wusste, sie hatte ihn schon mehrfach gesehen, ihr fiel nur nicht ein, wann und wo. Bis es ihr nach langen Sekunden des Schweigens wie ein Schlag in den Nacken wieder einfiel.

      "Sie sind der Reporter, oder?", perlten ihr die Worte über die Lippen, ehe sie noch genauer darüber nachdenken konnte. Sie hatte den Kontakt bisher weites gehend gemieden, denn sie wollte nicht, dass er ihr Fragen stellte, die sie dann eventuell zu freizügig beantwortete. Die Geschichte mit der Portsmouth hing ihr noch immer nach und bis auf den CO des Schiffes, die damalige CSO und sie selbst wusste ja keiner, was genau passiert war und warum die Versetzung Knall auf Fall geschehen war.

      Zeit: MD 9.2730
      Ort: Viviennes Quartier

      Vivienne lässt den unerwarteten Gast herein, doch schnell ist sie sich nicht mehr sicher, ob sie das nicht bereut.
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      MD 9.2731 [Viviennes Quartier; Personen: Vievienne u. Wakur Thyros] - ein Geschenk

      "Stimmt.", antwortete Thyros auf ihre Frage. "Wakur Thyros, zu Ihren Diensten.", stellte er sich vor und deutete mit dem Kopf eine Verbeugung an, wobei er sich schwer auf seinen Stock stützte. So ganz sicher schien sein Stand doch nicht zu sein.

      Während Vivienne sich überlegte, was sie mit dem Besucher nun anfangen sollte, überraschte der Bajoraner sie weiter. Aus einer der Seitentaschen seines altmodischen Jacketts zottelte er ein Päckchen hervor, etwas Rechteckiges, eingeschlagen in blaues Papier mit einer großen roten Schleife darauf. "Herzlichen Glückwunsch", sagte er und hielt ihr das Geschenk entgegen.

      Die Counselor zog den hastig übergeworfenen Bademantel enger um sich herum und nahm nach kurzem Zögern das Geschenk von dem Mann entgegen. "Danke, Mr. Wakur.", sagte sie leise und vorsichtig. Sie fragte sich, was er wirklich von ihr wollte.

      Der ältere Mann ihr gegenüber hatte sich inzwischen an die Seitenlehne ihrer Couch gelehnt und stützte die Hände auf seinen Spazierstock. Er beugte sich etwas vor, um Vivienne, die auf das blaue Packpapier starrte, ins Gesicht zu sehen. "Eine hübsche junge Frau wie Sie sollte nicht so traurig gucken.", meinte er. "Erst recht nicht an ihrem Geburtstag."

      Seine Nähe und der unverkennbare Geruch nach Alkohol ließen die Counselor unwillkürlich zurückweichen. Glücklicherweise machte der Bajoraner keine Anstalten ihr zu folgen, ihr näher zu rücken. "Nun mach'n Sie's schon auf.", drängte er, da sie noch immer keine Anstalten machte, ihr Geschenk auszupacken.

      Vivienne zog an der Schleife und schob das Band herunter. Dann öffnete sie sorgsam die Verklebungen des Papiers, als sie dieses beiseite schob, kam ein Bilderrahmen zum Vorschau. Er trug ähnliche Ornamente wie die Tür ihres Quartiers, so dass Vivienne zurecht vermutete, eine Handarbeit eines Ashani vor sich zu haben. Fasziniert betrachtete sie die Verzierungen. Der Rahmen selbst war schon wunderschön und als sie ihn aktivierte, zeigte er eine Abfolge verschiedener Landschaftsaufnahmen von Betazed. In Viviennes Hals bildete sich ein Kloß vor Rührung.

      "Vielen Dank.", sagte sie schließlich zu dem Reporter, der sie beim Auspacken beobachtet hatte. Und sie meinte das sehr ehrlich.

      "Gern." antwortete Thyros lächelnd. Doch nun, da sie ihn einmal wirklich etwas länger anblickte, bemerkte Vivienne, dass der Bajoraner trotz des Grinsens auch melancholisch-müde wirkte. Hatte ihn der Alkohol melancholisch gemacht? Oder hatte er einen Grund zu trinken? Wo hatte er den Schnaps überhaupt her? //Sicher vom Schwarmarkt.//, fiel es der Counselor gleich darauf ein. Sie hatte sich selbst noch nicht dorthin gewagt, hatte aber natürlich gehört, dass es auf der Cailleach "alles" zu kaufen gäbe. Sie rang mit sich, ob sie ihn bitten sollte zu bleiben oder doch lieber zu gehen.



      MD 9.2731: Thyros überreicht Vivienne ein Geschenk.
      Das Rezept für Gelassenheit ist einfach: Man darf sich nicht über Dinge aufregen, die nicht zu ändern sind.


      Helen Vita (schweizerische Diseuse und Schauspielerin, 1928 - 2001)

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