{"id":888,"date":"2020-06-01T20:00:33","date_gmt":"2020-06-01T18:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sf-germany.com\/ressorts\/prawda\/?p=888"},"modified":"2020-06-30T15:12:59","modified_gmt":"2020-06-30T13:12:59","slug":"kurioses-mit-grwydro-aus-den-erfahrungen-eines-trills-unter-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sf-germany.com\/ressorts\/prawda\/?p=888","title":{"rendered":"Kurioses mit Grwydro \u2013 aus den Erfahrungen eines Trills unter Menschen"},"content":{"rendered":"<p class=\"yiv7147329924MsoNormal\">Und es f\u00e4ngt schon an. Wie beginnt man einen Artikel in einer intergalaktischen Menschenzeitung, wenn man kein Mensch ist? Sage ich \u201eGuten Tag\u201c, dann irritiert es die Menschen, die es Abends oder morgens lesen. Von den vielen Menschen, die unendlich viele Lichtjahre von der Erde entfernt unterwegs sind, um fremde Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen ganz zu schweigen. Denn das mit guten Abenden, guten Morgen und guten N\u00e4chten ist in der ewigen Dunkelheit des Weltraums wahrlich schwer zu definieren. So stehe ich als Trill, als Ausserirdischer auf einem Raumschiff voller Menschen schon vor dem ersten problem. Denn Menschen haben eine gro\u00dfe Freude daran, sich von Sachen irritieren zu lassen. Zum Gl\u00fcck aber sollte dieser Artikel nun bereits so weit fortgeschritten sein, dass sich um die Begr\u00fc\u00dfung eh keiner mehr Gedanken macht, sondern sich die Frage stellt \u2013 wer spricht da eigentlich mit mir?<\/p>\n<p class=\"yiv7147329924MsoNormal\">Das kann ich beantworten. Niemand. Aber sie lesen Worte, die in ihrem Kopf vielleicht wie ein Gespr\u00e4ch klingen. Wenn sie daf\u00fcr nun ein Gesicht oder eine Person ben\u00f6tigen, um sich das lebendiger vorzustellen, dann steh ich daf\u00fcr gerne Pate. Mein Name ist Grwydro Aru. Seines Zeichens ein noch junger, mit schlechten Augen aber jeder Menge unn\u00fctzem Wissen ausger\u00fcsteter Ensign, der seinen Dienst auf der USS Galathea t\u00e4tigt und von der Redakteurin der Prawda, Corina Ovid gebeten wurde, doch ein paar Zeilen zu schreiben. Woher dieses unn\u00fctze Wissen? Nun, vom Planeten Trill kommend trat ich noch vor kurzem meinen Dienst an der Sternenflottenakademie an und wurde als COMM ausgebildet. Soll hei\u00dfen, dass man mich darin gelehrt hat, allerlei Formen von Kulturen und Verhaltensweisen zu studieren. Sie k\u00f6nnen mir glauben, wer sein ganzes Leben und einen gewissen Teil davor auf Trill verbracht hat und mit Menschen kaum in Kontakt geraten ist, der erlebt ein wahres, \u00fcberw\u00e4ltigendes Feuerwerk an Kultur. Das spannende daran ist, dass die Menschen \u00fcber die kleinen Feinheiten und Besonderheiten ihrer Kultur quasi etwas Betriebsblind geworden sind. Und so gar nicht mehr sehen, wie Besonder, vor allem wie spannend sie f\u00fcr einen Au\u00dfenstehenden sind.<\/p>\n<p class=\"yiv7147329924MsoNormal\">Da w\u00e4ren zum Beispiel Redewendungen. Denn eins habe ich gelernt. Der Mensch besitzt eine gewisse Form von Eitelkeit. W\u00fcrde ich n\u00e4mlich jetzt einfach drauf los plaudern \u2013 was ich gef\u00fchlt l\u00e4ngst getan habe \u2013 und dar\u00fcber berichten, welche Charaktereigenschaften mir bei bestimmten Personen aufgefallen sind, w\u00fcrde sich darin sofort jemand wieder erkennen, betroffen f\u00fchlen und der Prawda bitterb\u00f6se Lesebriefe schreiben. F\u00fcr einen Menschen die h\u00f6chste Form der Kritik. Die, die \u201eandere zu lesen bekommen.\u201c Das ganze klingt nach einem abstrakten Bild&#8230; aber nicht f\u00fcr einen Menschen, denn er hat daf\u00fcr eine passende Redewendung. W\u00fcrde ich also konkret \u00fcber Menschenverhalten schreiben, w\u00fcrde der Mensch sagen, dies sei wie \u201eTopfschlagen im Minenfeld\u201c.<\/p>\n<p class=\"yiv7147329924MsoNormal\">Eine eigenartige Allegorie. Aber diese Allegorien ziehen sich wie ein roter Faden durch jede unterschiedliche Kultur und Sprache. Jede menschliche Kultur hat eigene Allegorien f\u00fcr ein und die selbe Sache. Oftmals wissen die Menschen nicht einmal mehr, dass die W\u00f6rter, die sie nutzen eigentlich eine Allegorie sind. Kritisiert ein Mensch zum Beispiel das sorglose, selbstzerst\u00f6rerische und selbstdenunzierende Verhalten eines anderen, spricht er von einer \u201eBankrotterkl\u00e4rung\u201c. Der Begriff ist eine doppelte Allegorie. Denn es enth\u00e4lt das Wort \u201eBankrott\u201c. Das Wort Bankrott m\u00fcsste eigentlich ausgestorben sein, denn es ist ein Fiskalbegriff und beschreibt das Pleitegehen eines Unternehmens. Nun&#8230; auf der Erde k\u00f6nnen Firmen nicht mehr Pleite gehen, da es die Nutzung einer W\u00e4hrung voraus setzt.\u00a0\u00a0Der Begriff jedoch hat sich im Sprachgebrauch erhalten. Und sogar, als der Begriff noch einen Sinn ergab, war er bereits eine Allegorie. Der Begriff Bankrott kommt aus der Italienischen Renaissance.\u00a0\u00a0Dort gab es Geldverleiher, die ihr Gesch\u00e4ft an Marktpl\u00e4tzen abhielten. Ein einfaches Gesch\u00e4ft. Ich leihe dir Geld, du gibst es mir sp\u00e4ter wieder \u2013 mit einem kleinen extra Dankesch\u00f6n. Was nat\u00fcrlich auch umgekehrt funktionierte. Ich verwahre dein Geld und du bekommst daf\u00fcr es auf Abruf mit einem kleinen Dankesch\u00f6n zur\u00fcck. Problematisch wurde das nur, wenn diese Geldverleiher Geld liehen und nicht mehr zur\u00fcck zahlen konnten. Dann wurden sie ein Fall f\u00fcr die Stadtwache. Diese hatten sich eine sehr drastische Methode einfallen lassen, um die Schandtaten des Geldverleihers publik zu machen. Der Geldwechsler arbeitete auf dem Marktplatz, in dem er eine Holzbank aufstellte und sein Geld darauf zur Schau stellte. Im Falle der Zahlungsunf\u00e4higkeit kam nun der Gardist und schlug symbolisch die Bank in zwei Tr\u00fcmmerteile. Die Bank war nun kaputt. Oder auf Alt-Italienisch \u201eBanko rotto\u201c. Jetzt muss man nur noch die O\u2019s weg lassen.<\/p>\n<p class=\"yiv7147329924MsoNormal\">Wieso reden wir jetzt \u00fcber Italiener aus dem 12ten Jahrhundert der Menschen? Weil genau das es ist, was ich als Ziel meiner Kolumne auserkoren habe. Ich will die Menschen mit demselben Gef\u00fchl der \u201eFremde\u201c konfrontieren wie ich es in den vielen Jahren an der Akademie erfahren habe. Um ihnen zu zeigen, wie \u201eBegeisternd\u201c ihre allt\u00e4glichen Gepflogenheiten f\u00fcr einen au\u00dfenstehenden wirken k\u00f6nnen. Ich sag es ganz offen heraus, ich liebe die meisten kleinen Nuancen im Menschlichen Verhalten, sie begeistern mich. Und ich hoffe, ich kann dem Prawda-Leser ein wenig etwas mit dieser Kolumne zur\u00fcckgeben.<\/p>\n<p class=\"yiv7147329924MsoNormal\">So m\u00f6chte ich abschlie\u00dfend eine weitere kleine Geschichte aus dem Sprachgebrauch teilen, bevor ich sie wieder in Ruhe lasse und den Artikel erstmal wirken lasse. Im Falle eben jener Beschwerdebriefe an die Prawda sind sie mich n\u00e4mlich auch ganz schnell wieder los. Sonst bekommen sie, was sie \u201everdienen\u201c. Auch das Wort \u201everdienen\u201c kommt nat\u00fcrlich aus dem Finanzbereich und m\u00fcsste eigentlich \u00fcber die Jahrzahnte ausgestorben sein. Ist es aber nicht. Man hat daf\u00fcr sogar verschiedene Synonyme, eins davon ist Sal\u00e4r. Oder im englischen \u201eSalary\u201c. Tats\u00e4chlich bestimmte eine arg ferengisch wirkende Lebensweise viele Jahrhunderte der Weltgeschichte. Und der reichste, der je gelebt hat, war Mansa Musa, der K\u00f6nig des afrikanischen Landes Mali. Auch er lebte im 14ten Jahrhundert, ist also schon tausend Jahre tot. Und dennoch, war sein Reichtum unmessbar. Bestes Beispiel, einst pilgerte der gl\u00e4ubige Moslem von Mali nach Mekka und kam dabei in der reichen Stadt Kairo vorbei. Mit einem \u00fcppigen Handgeld ausgestattet, entdeckte er in Kairo einen gro\u00dfen Basar und geriet in einen Kaufrausch. Er lie\u00df dabei so viel seines Goldes in der Stadt bei diesen H\u00e4ndlern, dass letztendlich einfach jeder so viel Gold hatte, dass er sich damit alles kaufen konnte. Da die Verk\u00e4ufer von Waren jedoch nicht bereit waren, ihre G\u00fcter nun zu verschenken, erh\u00f6hten sie entsprechend die Preise ihrer Waren und das sorgte daf\u00fcr, dass all dieses Gold schnell nichts mehr wert war. Mansa Musa hatte aus einer unbedachten Laune heraus die Wirtschaft des Landes \u00c4gypten so nachhaltig geschadet, dass das Land 15 Jahre brauchte, bis sich die Preise wieder normalisiert hatten. Sogar Mansa Musa selbst musste sich bei der R\u00fcckkehr aus Mekka in Kairo Geld leihen, um irgendwie \u00fcber die Runden zu kommen.<\/p>\n<p class=\"yiv7147329924MsoNormal\">Wie konnte der K\u00f6nig einer v\u00f6llig in einer W\u00fcste gelegenen Landschaft so reich werden? Nun, er war nicht nur der Herr \u00fcber die einzige Stra\u00dfe im Umkreis von vielen hunderten Kilometern nach S\u00fcden, er besa\u00df auch ein anderes gut, dass in dieser Zeit mindestens genau so wertvoll war wie Gold. Salz. Mit Salz waren die Menschen in der Lage, Nahrung zu konservieren, sie konnten sich so vor langen Hungersn\u00f6ten sch\u00fctzen oder lange Reisen \u00fcber See antreten. Die ganze bekannte Welt wollte das Salz von Mansa Musa. Und er zahlte in Salz. Bis nach England lie\u00dfen sich die einfachsten Bauern in Salz bezahlen. Sie erinnern sich an die Salary? An den Sal\u00e4r? Raten sie mal, warum diese Begriffe sich die erste Silbe mit dem wahrlich kurzen Wort \u201eSalz\u201c teilt. Weil es eben genau da her kommt.<\/p>\n<p class=\"yiv7147329924MsoNormal\">In diesem Sinne hoffe ich, dass sie alle bekommen, was sie verdienen. Und wenn es eine Hand voll Salz ist, seien sie sich im Klaren, dass dies etwas ganz Besonderes ist. Auch wenn es f\u00fcr sie nicht mehr ist als ein fies schmeckendes wei\u00dfes P\u00fclverchen. F\u00fcr andere ist es die ganze Welt. Das ganze Universum. Der Weltraum.<\/p>\n<p class=\"yiv7147329924MsoNormal\" align=\"right\"><em>Mit exotischen Gr\u00fc\u00dfen \u2013 Grwydro Aru<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und es f\u00e4ngt schon an. Wie beginnt man einen Artikel in einer intergalaktischen Menschenzeitung, wenn man kein Mensch ist? Sage ich \u201eGuten Tag\u201c, dann irritiert es die Menschen, die es Abends oder morgens lesen. 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